Bazillen gegen Plastikmüll


Es gibt offensichtlich Mikroorganismen, die das hochresistente PE Plastik angreifen, zerkleinern und den Kohlenstoff für den eigenen Stoffwechsel nutzen können. Allerdings sind diese keine Lösungsmöglichkeit gegen den Plastikmüll in den Meeren.

Der Pekinger Umweltingenieur Jun Yanghat entdeckte, dass die Maden der gemeinen Dörrobst- oder Hausmotte, die praktisch überall auf der Welt zu finden ist, wo es halbwegs warm ist, Plastik abbauen können. Ursprünglich war ihm aufgefallen, dass Tüten in seinem Haushalt durchlöchert waren und er wollte feststellen, woran dies lag.

Gemeinsam mit seinen Kollegen begann Jun Yang die frischgeschlüpften  Maden in Petrischalen zu kultivieren. Das Geheimnis des Plastikfraß, das wurde den Forschern rasch klar, waren allerdings nicht die ein bis zwei Zentimeter kleinen blassgelben Maden, sondern die Darmflora derselben. In der Zeitschrift „Environmental Science and Technology“ berichten die Forscher, wie sie aus dem Verdauungstrakt der Mottenlarven massenweise Bakterien der Gattungen Bacillus und Enterobacter extrahierten und diese anschließend in Kulturschalen auf dünne Schichten aus reinem PE-Plastik verpflanzten. Das Ergebnis ließ zuerst auf sich warten. Unter dem Elektronenmikroskop war es dann allerdings zweifelsfrei zu sehen: Die Bakterien machten sich an dem PE-Plastik zu schaffen, kleine, nur ein Drittel Mikrometer  tiefe Löcher waren zu erkennen. Und wie die Röntgenspektroskopie  ergab, waren die „angfressenen“ Polyethylen-Moleküle nach der Zersetzung durch die Mikroben mit sauerstoffhaltigen Carbonylgruppen besetzt. Offensichtlich wurde das Plastik oxidiert – ganz klassisch verdaut also. Jun Yang hatte zum erstenmal den Nachweis erbracht: Es gibt offensichtlich Mikroorganismen, die das hochresistente PE angreifen, zerkleinern und den Kohlenstoff für den eigenen Stoffwechsel nutzen können.

Die Folgen der mikrobiellen Zersetzung waren eindeutig. Die Zugfestigkeit des Kunststoffs war nach einem Entwicklungszyklus der Maden, nach einem Monat also, um knapp die Hälfte verringert, ihre wasserabweisenden Eigenschaften verringerten sich um ein Drittel. Nach zwei Monaten war das große Fressen der Madenbazillen auch auf der Mikrowaage messbar. Das Gewicht des Plastiks verringerte sich in der Zeit um wenigstens zehn Prozent.

Ob dieser Mechanismus jemals eine Relevanz für den Abbau von Plastikabfällen erhält, ist mehr als fraglich. Zumal die Motten in den Meeren nun wirklich nicht vorkommen.

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