Biogemüse oft in Plastik: es nervt!


Hamburger Morgenpost /

Von Marlene Borchardt

Nach dem Großeinkauf türmen sich die Plastikberge in der Küche. Die Bio-Bananen müssen aus ihrer Plastikhülle befreit, die nochmals eingeschweißten Bio-Äpfel aus ihrem Kunststoffgefängnis geholt und die Bio-Gurke vorsichtig aus ihrer Folie geschält werden.

Dabei hat der Kunde, der Bio kauft, oft auch ein besonders großes ökologisches Interesse – und ist genervt vom Plastikwahn. Die MOPO klärt auf, warum für Bio-Produkte so viel Plastikmüll produziert wird.

Nein, der Verpackungs-Irrsinn hat nichts mit Hygiene zu tun. Es geht nur darum, die Bio-Ware zu kennzeichnen. „Konventionell und biologisch erzeugtes Obst und Gemüse sind optisch nicht voneinander zu unterscheiden“, sagt Thomas Bonrath, Pressesprecher der Rewe-Group.

Und da Bio- und Normal-Produkte gemeinsam im gleichen Lkw transportiert werden, helfe die Plastikverpackung zu verhindern, dass die Produkte verwechselt werden können.

Ein großer Haufen Plastikmüll bleibt übrig ...

Ein großer Haufen Plastikmüll bleibt übrig …
Foto: Patrick Sun

Ein großer Haufen Plastikmüll bleibt übrig ...

Ein großer Haufen Plastikmüll bleibt übrig …
Foto: Patrick Sun

Außerdem sollen die Plastikverpackungen dem Kassenpersonal im Supermarkt helfen – durch die Kunststoff-Hülle können sie sofort erkennen, dass es sich um ein Bio-Produkt handelt. Und Kunden haben nicht die Möglichkeit, durch das Austauschen von Etiketten günstiger an Bio-Obst und -Gemüse zu kommen.

... wenn man dieses Bio-Obst und -Gemüse aus dem Supermarkt ausgepackt hat.

… wenn man dieses Bio-Obst und -Gemüse aus dem Supermarkt ausgepackt hat.
Foto: Patrick Sun

... wenn man dieses Bio-Obst und -Gemüse aus dem Supermarkt ausgepackt hat.

… wenn man dieses Bio-Obst und -Gemüse aus dem Supermarkt ausgepackt hat.
Foto: Patrick Sun

„Aufkleber oder andere Kennzeichnungen haben sich leider nicht bewährt, da sie schnell manipulierbar sind“, sagt Rewe-Sprecher Bonrath.
Jürgen Knirsch, Experte für nachhaltigen Konsum bei Greenpeace, machen solche Aussagen fassungslos. „Ich frage mich, was für ein Bild die Supermärkte von ihren Kunden haben. Besonders viel Vertrauen scheinen sie ihnen ja nicht zu schenken.“

Der Bund für ökologische Lebensmittelwirtschaft (BOLW) meint, dass Biogemüse im Vergleich mit konventionellen Produkten trotz der Plastikverpackung ökologisch besser dasteht.

Für Greenpeace-Experte Knirsch reicht das nicht. Er wünsche sich mehr Fantasie der Supermarkt-Bosse. „Man könnte doch zum Beispiel einen Biostand in den Supermarkt integrieren, bei Wurst und Käse ist das doch auch möglich, dann müssten die Supermärkte auch keine Angst mehr vor der Täuschung ihrer Kunden haben“, so Knirsch.
Weltweit werden jährlich 240 Millionen Tonnen Plastik produziert. Verpackungen machen davon etwa ein Drittel aus. Auch Plastiktüten sind ein Problem: Alleine in Deutschland werden jährlich 5,3 Milliarden verbraucht. Außerdem gibt es weltweit kein Gewässer mehr, das noch frei ist von Plastikteilen. Herkömmliches Plastik ist biologisch nicht abbaubar. So finden wir sogar kleinteiliges Plastik in unserer Nahrung.

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