EU Vorstoß zur Minimierung von Plastiktüten reicht nicht


Die EU bewegt sich mit kleinen Schritten, ein Verbot von Plastiktüten steht nicht im Raum. Dabei sind Plastiktüten Teil eines massiven globalen Müllproblems. Eine Kunststofftüte wird im Durchschnitt 25 Minuten lang benutzt. Im Vergleich zu anderem Plastikabfall gelangen Plastiktüten und andere dünne Plastikfolien besonders leicht durch Verwehung unbeabsichtigt in die Umwelt und machen auf dem Festland wahrscheinlich den Hauptanteil des Plastikabfalls in der Umwelt aus. Plastiktragetaschen können mehrere Hundert Jahre fortbestehen, oft als schädliche, mikroskopisch kleine Partikel, die Pflanzen und Tiere besonders im und am Meer gefährden und am Ende der Nahrungskette auch den Menschen betreffen.

Weltweit existieren mittlerweile eine Fülle von Kampagnen aber auch konkreter politischer Restriktionen zum Thema Plastiktüten. Ein Verbot wie zuletzt in Kalifornien umgesetzt und in diversen Ländern wie Bangladesch seit Jahren Standard, ist in der EU scheinbar nicht möglich. Auch europäische Länder wie Frankreich und Italien sind schon wesentlich weiter. In Paris trat 2007 ein Verbot von Kunststofftüten in Kraft. Ein landesweites Verbot nicht kompostierbarer Plastiktüten gibt es seit dem 1. Januar 2010. Seit dem 1. Januar 2011 ist die Vermarktung herkömmlicher Plastiktüten in Italien  verboten. Als Ersatz sollen Papiertüten, Stoffbeutel und andere leicht abbaubare Tüten, z.B. aus Maisstärke, dienen.

Was sagt nun die EU in Ihrem neuen Vorstoß? EU-Bürger sollen in Zukunft deutlich weniger Plastiktüten verwenden. Darauf verständigten sich jetzt Unterhändler von EU-Staaten und Europaparlament im Grundsatz. Mit den neuen Regeln will die EU vor allem die Nutzung leichter Einwegtüten drosseln, wie sie der Einkäufer im Supermarkt oder im Kaufhaus an der Kasse erhält. Dabei hätten die Staaten die Wahl zwischen zwei Methoden: Entweder beschließen sie Ziele zur Minderung des Verbrauchs auf bis zu 40 Tüten pro Person bis Ende 2025. Oder sie schreiben von 2017 an eine Gebühr für den Gebrauch vor. Die Bandbreite, welches EU-Land wie viele Tüten verbraucht, ist groß. Die wenigsten Plastikbeutel in der EU werden in Irland verwendet: Dort sind es im Schnitt 20 Stück. In Deutschland sind es 71 Tüten. Am wenigsten Müll mit Plastikbeuteln verursachen Dänen und Finnen. Sie nutzen 79 beziehungsweise 77 Stück. Spitzenreiter ist Portugal. Dort werden mehr als 500 Tüten pro Kopf verbraucht.

Fazit: Die große Lobby der Kunststoffindustrie konnte ein Verbot bisher erfolgreich verhindern.

PLASTICONTROL setzt sich weiterhin für ein EU weites Verbot von Plastiktüten ein, um unsere Meere zu schützen. Wir sehen folgende Schwächen in der vorgeschlagenen Grundsatzregelung:

Schwäche 1: Ein Verbot wird nicht einmal als langfristige Option genannt.

Schwäche 2: Grundsätzlich kann eine Gebühr eine Übergangslösung darstellen. eine solche Gebühr hat nach seiner Einführung den Verbrauch in Irland maßgeblich gesenkt. Allerdings nennt die EU weder Höhe der Abgabe. Zudem ist die Abgabe nicht verbindlich vorgeschrieben.

Schwäche 3: Sehr dünnwandige Tüten, die in der Regel nur einmal, was verbraucht werden und maßgeblich zur Emission der Umwelt – meist durch Verwehungen – beitragen, werden von dem Vorhaben ausdrücklich ausgeschlossen. Diese Tüten liegen beispielsweise an Gemüsetheken. Dass Argument, dass diese dünnwandigen Tüten durch noch kritischere Produkte ersetzt werden, sehen wir als fragwürdig an.

Schwäche 4: Dicke Tüten sind von dem Verbot komplett ausgeschlossen.

Schwäche 5: OXO Tüten, die schädliche Mineralsalze enthalten könnten von der Regelung ausgenommen werden. Diese Tüten benötigen zudem große Mengen an Energie zur Produktion und Abbau.

PLASTICONTROL stellt die Forderung an die Bundesregierung, nun ein Verbot auf nationaler Ebene voran zu treiben und damit den guten Beispielen anderer Länder der EU zu folgen. Wir fordern den Ersatz aller Plastiktüten durch Papiertüten und ausschließlich auf biologischen Produkten basierenden Analogprodukten.