Forschungsbedarf zu Mikroplastik in Kläranlagen


Nachdem erste Forschungsergebnisse gezeigt haben, dass Mikroplastik teilweise in größeren Mengen ungefiltert durch Kläranlagen in die Gewässer gelangt, organisierte Fraunhofer Umsicht zusammen mit dem Cluster Umwelttechnologien.NRW am 18. November 2014 einen eintägigen Thementisch mit dem Titel “Mikroplastik und Kläranlagen”. Rund 25 Experten, überwiegend aus der Abwasserbranche, nahmen an der Veranstaltung teil.

Ralf Bertling von Fraunhofer Umsicht erläuterte in seinem Vortrag die Aktivitäten seiner Organisation und dass es seit März 2014 bei Fraunhofer Umsicht mit der “AG Mikroplastik” eine interdisziplinär zusammengesetzte Gruppe von Forschern gibt, in der sich verschiedene Kompetenzen gebündelt dem Thema Mikroplastik widmen.

Maren Heß vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) begrüßt diese Aktivitäten betonte, dass bisher sehr wenig zum Thema Mikroplastik veröffentlicht sei und diese sich meist auf Salzwasser und nicht Süßwasser beziehen würden. Mehr Forschung sei wichtig.

Carmen Nickel, Institut für Energie- und Umwelttechnik e.V. (IUTA) in Duisburg, Expertin für Nanotechnologie, erläuterte Überlegungen, ob Methoden aus der Forschung zur Nanotechnologie auch auf Mikroplastik anzuwenden sei. Eine wichtige Erkenntnis sei, dass eine Abschätzung über die reine Masse des Mikroplastiks im Abwasser nicht unbedingt aussagekräftig sein muss. Die Oberfläche der gleichen Masse an Partikeln vergrößert sich um ein Vielfaches, je kleiner die Partikel sind. Und umso größer die Oberfläche ist, desto mehr Schadstoffe können sich prinzipiell an ihr anlagern.

Burkhard Hagspiel von der Stadtentwässerung und Umweltanalytik Nürnberg (SUN) hingegen hält die Aufregung um das Thema Mikroplastik in Kläranlagen für übertrieben. Andererseits gebe es Bedarf an weiterer Forschung.

Kris De Gussem vom belgischen Kläranlagenbetreiber Aquafin zeigte auf, dass in einer Kläranlage des Unternehmens umfassend Mikroplastik-Konzentrationen an verschiedenen Punkten ermittelt werden. Auch De Gussem unterstützte eine Vereinheitlichung der Analysemethoden sowie weitere Untersuchungen zu Mikroplastik in Kläranlagen.

Jürgen Bertling, Abteilungsleiter Werkstoffsysteme bei Fraunhofer Umsicht, stellt in seinem Vortrag heraus, dass vor allem die Entstehung von Mikroplastik durch Verwitterung von Kunststoffen bislang noch viel zu wenig untersucht sei. Nichtsdestotrotz sieht er vor allem aufgrund der Langlebigkeit von Polymeren (10 000 Jahre und mehr) eine drastische Reduktion des Mikroplastikeintrags als zwingend erforderlich – nicht zuletzt aus einem ästhetisch verstandenen Umweltschutz. Bertling zeigte darüber hinaus, dass die Bestimmung der Mikroplastikmenge in hohem Maße von einer korrekten Ermittlung der Partikelgrößenverteilung abhängig sei. Andernfalls könne die Gefährdung schnell um zwei bis drei Zehnerpotenzen unter- oder überschätzt werden.

Initiative Mikroplastik
Die Veranstaltung wurde von den Teilnehmern als sehr guter Einstieg in weitere zielgerichtete Aktivitäten bewertet. Als ein wichtiges Ziel wurde die Vereinheitlichung der Untersuchungsmethoden formuliert. Außerdem wurde ein Bedarf an weiteren, verlässlichen Daten zu Quantität und Qualität von Mikroplastik in Kläranlagen formuliert

Gemeinsames Fazit sei, dass diese Ziele nur mit weiteren Studien, d.h. weiteren Untersuchungen von Mikroplastik in Kläranlagen, zu erreichen seien. Dabei seien vor allem auch verfahrens-, polymer- und partikeltechnische Aspekte stärker als bisher einzubeziehen, um ein umfassendes Bild und Lösungsansätze abzuleiten. Die Fraunhofer-Umsicht-Teilnehmer schlugen die Gründung einer “Initiative Mikroplastik” vor, welche sich der Klärung der Fragestellungen rund um Mikroplastik widmet. Der Vorschlag stieß auf ein positives Echo, sodass weitere Aktivitäten zu erwarten sind.

Weitere Informationen: www.umsicht.fraunhofer.de