Allgemeiner Weichmacher-Artikel


Weichmacher in Kunststoffen – Wie sicher ist Plastik?
Einige eingesetzte Weichmacher, insbesondere Verbindungen aus der Gruppe der Phthalate, stehen dabei unter dem Verdacht, unsere Gesundheit zu gefährden. So weist auch das Umweltbundesamt auf seiner Website auf die Gefahr durch Weichmacher hin, sie gelten demnach als „höchst gesundheitsgefährdend“. Das weltweite Volumen an Weichmachern lag 2004… bei 5,5 Millionen Tonnen bei einem Gesamtwert von etwa 7 Milliarden Euro. Der Anteil an Weichmachern macht bis zu 40% des Endprodukts aus und verleiht den Kunststoffen die gewünschte Elastizität.

Wirkungsweise von Weichmachern

Weichmacher im Kunststoff wirken so ähnlich wie Wasser in einem Schwamm. Ein Schwamm ohne Wasser ist hart und nicht flexibel. Erst wenn er Wasser in seine Struktur aufsaugt wird er weich, flauschig und flexibel. Das Bild eignet sich auch in einem weiteren Aspekt: Der Weichmacher ist im Kunststoff chemisch nicht fest gebunden, sondern verhält sich wie das Wasser im Schwamm, das auf einfache Weise wieder herausgepresst werden kann. So dünstet der Weichmacher mit der Zeit wieder aus dem Kunststoff und gelangt so unkontrolliert in die Umwelt und den menschlichen Körper, der Kunststoff selbst wird dabei zunehmend wieder härter und zerbrechlicher.

Die Aufnahme von Weichmachern durch den Menschen
Durch Hautkontakt, über die Atemluft und besonders über Kunststoff-Verpackungen von Flüssigkeiten oder fetthaltigen Lebensmitteln können Weichmacher vom menschlichen Körper in aufgenommen werden. Einige Gruppen der Weichmacher, besonders Verbindungen aus der Gruppe der Phthalate, stehen unter dem Verdacht, unsere Gesundheit zu gefährden.

Weltweit werden jährlich rund zwei Millionen Tonnen der Weichmacher Phthalate hergestellt. Davon werden rund 90 Prozent dem PVC als Weichmacher zugesetzt. Produkte sind Beispielsweise PVC-Fußböden, Verkleidungen, Kunststoffbeläge und Kunststoffartikel sowie auch bei der Herstellung von Insektiziden, Körperpflegemitteln, Medikamenten, Polstermöbeln und Textilien.

Da die Phthalate allerdings im Kunststoff nicht chemisch gebunden sind, können sie in die Raumluft entweichen und so die Gesundheit schädigen. Phthalate sind zudem relativ beständig und darüber hinaus fettlöslich. Sie reichern sich so in der Umwelt an, vor allem in der Nahrungskette. Die vorwiegende Aufnahme erfolgt dabei über die Nahrung: Ein Großteil der Lebensmittel ist in Plastik eingepackt. Enthält die Verpackung entsprechende Weichmacher, können sie auf das Lebensmittel übergehen (siehe unten: ZDF Zoom). Ein weiterer wichtiger Punkt sind Plastik-Trinkflaschen: Heißer Inhalt setzt je nach Beschaffenheit des Kunststoffs entsprechende Weichmacher frei – daran ändert auch das Alter oder häufiges Spülen der Flaschen nichts. Laut einer Studie der University of Cincinnati gaben dabei Plastik-Flaschen, die bereits bis zu neun Jahre lang verwendet worden waren, immer noch die gleiche Menge des Weichmachers BPA frei wie neue Flaschen. Dabei gebe es den Forschern zufolge „eine große Reihe wissenschaftlicher Belege, die in Labor- und Tierexperimenten die schädlichen Effekte von sehr geringen Mengen BPA demonstrieren“.

Gesundheitsgefährdung

Die Weichmacher ähneln Hormonen und wirken auf den Hormonhaushalt und die hormon gesteuerten Entwicklungsstufen. Dabei bewirken sie einen Rückgang der Spermienzahlen und damit eine abnehmende männlichen Fruchtbarkeit – auch das Wachstum des männlichen Fortpflanzungsorgans wird beeinträchtigt. Kinder sind besonders gefährdet, da sie besonders viel Kunststoff (-Spielzeug) in den Mund nehmen und sie zudem noch im Wachstum und daher besonders anfällig sind. Phthalate können auch die Plazentarschranke durchdringen und das ungeborene Baby bereits im Mutterleib schädigen. Studien weisen auch darauf hin, dass Phthalate in der Atemluft die Wahrscheinlichkeit für allergische Symptome erhöhen, auch Diabetes und Leberschäden stehen auf der Liste möglicher Folgen, ebenso wie eine dickmachende Wirkung.

Bereits Ende 1999 hatte die Europäische Union ein Verbot von bestimmten Weichmachern für Kleinkind-Spielzeug erlassen, das bestimmungsgemäß in den Mund genommen wird. Das Verbot war zunächst auf drei Monate begrenzt, wurde aber bis heute immer wieder um je drei Monate verlängert. Der Einsatz der Phthalate war verboten worden, da es damals noch keine zuverlässige Messmethode für die Belastung mit Phthalaten gab. Inzwischen liegt jedoch eine vom Europäischen Chemikalienbüro ECB validierte Methode vor, die die Bedenklichkeit dieser bestimmten Weichmacher untermauert.

Mit der EU-Richtlinie 2005/84 EG wurden dann drei gesundheitsgefährdende Phthalate, nämlich DEHP, DBP und BBP, in Spielzeug generell verboten. Tests, wie beispielsweise von Ökotest, zeigen, dass Spielzeugartikel aus Kunststoff allerdings nach wie vor Phthalate enthalten. Insgesamt wurden sechs Weichmacher in Kinderspielzeug verboten, allerdings nicht in Alltagsgegenständen und auch in Medizinprodukten sind sie uneingeschränkt zulässig.

EU-Mitglied Dänemark hat nun als erstes im Alleingang vier Phthalate verboten. Seit Herbst 2012 ist der Einsatz von fortpflanzungsgefährdenden Weichmacher Diethylhexylphthalat (DEHP), Dibutylphthalat (DBP), Diisobutylphthalat (DIBP) und Benzylbutylphthalat (BBP) in Indoorartikeln und Gegenständen, die in direkten Kontakt mit der Haut oder den Schleimhäuten kommen, verboten.

BPA-freie Trinkflaschen

Vor dem Hintergrund des zunehmenden Bewusstseins um die Gesundheitsgefährdung durch Weichmacher hat sich auch das Verbraucherverhalten zunehmend gewandelt. Kunststoffe ohne Weichmacher – beziehungsweise ausschließlich mit unbedenklichen Weichmachern – werden bevorzugt, oder es wird ganz versucht, gänzlich auf Kunststoffverpackungen zu verzichten. Die Industrie hat nachgezogen und bietet verstärkt Produkte an, die entsprechend gekennzeichnet sind und keine Weichmacher enthalten. Ist zum Beispiel das Material von Trinkflaschen Edelstahl und nicht Plastik, so sind sie häufig mit dem Label BPA-frei gekennzeichnet. Ein entsprechend umsichtiger Umgang mit Kunststoffen sollte vor allem von Schwangeren und für Kinder im Wachstum berücksichtigt werden.

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