Kindergarten


In Babyflaschen ist die schädliche Chemikalie Bisphenol A (BPA) seit Mitte des Jahres 2011 EU-weit verboten. Doch in vielen anderen Produkten, mit denen Kinder ebenfalls in Kontakt kommen, findet sich der umstrittene Stoff weiterhin. Um seiner Forderung nach einem weitergehenden Verbot Nachdruck zu verleihen, hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Belastung von Kindertagesstätten untersuchen lassen. 107 Kitas schickten dafür gefüllte Staubsaugerbeutel ein. In 92 der Proben wurde BPA nachgewiesen. Der Mittelwert lag bei 4,4 Milligramm BPA pro Kilo Staub.

Damit werden die EU-Grenzwerte zwar in den meisten Fällen nicht überschritten, sagt BUND-Chemieexpertin Sarah Häuser. Dennoch sieht der Verband Handlungsbedarf. “Bisphenol A beeinträchtigt bereits in geringsten Mengen das empfindliche Hormonsystem von Kindern”, erklärt Häuser. Als Konsequenz aus den Untersuchungen fordert der BUND von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU): “Hormonelle Schadstoffe müssen grundsätzlich in allen Produkten verboten werden, die im Umfeld von Kindern verwendet werden.”

Unterstützung kommt vom Umweltbundesamt: “Es ist aus unserer Sicht gerechtfertigt, Vorsorgemaßnahmen zu erwägen, um Säuglinge, Kinder und Schwangere besser vor Bisphenol A zu schützen”, sagt Sprecher Martin Ittershagen der taz. Es gebe ein “ausreichendes Besorgnispotenzial”, um “die Verwendung von Produkten, die Bisphenol A enthalten, zu beschränken”. Ob die Bundesregierung dieser Empfehlung nachkommt, ist aber fraglich. Das Verbraucherschutzministerium, das das BPA-Verbot in Babyflaschen umgesetzt hatte, erklärt sich für nicht zuständig: Sofern es nicht um konkrete Belastung durch “Lebensmittelbedarfsgegenstände” gehe, sondern um allgemeine Luftbelastung durch Chemikalien, sei das Umweltministerium zuständig. Dort will man die BUND-Studie zunächst prüfen.

(Quelle:www.taz.de)