Marktsituation


Kunststoffe werden heute überwiegend aus Erdöl hergestellt. Da zumindest in der Kunststofferzeugung der eigentliche Rohstoff einen maßgeblichen Anteil an der Wertschöpfung des Produkts darstellt, ist der Preis des Kunststoffs mittelbar an den Rohölpreis gekoppelt. Insofern schlägt sich eine Preiserhöhung der fossilen Rohstoffe im Preis für Kunststoffe direkt nieder. Vor allem der weltweit steigende Energie- und Rohstoffbedarf sowie politische Instabilität in den Förderländern haben den Preis für Rohöl in den letzten Jahren stark ansteigen lassen, mit einem dauerhaft günstigen Ölpreis auf dem Niveau der 1990er Jahre ist in Zukunft nicht mehr zu rechnen. Vor diesem Hintergrund ist eine Zunahme des bisher geringen Marktanteils für Biokunststoffe abzusehen. Aussagen über die Potenziale von Biokunststoffen sind stark davon abhängig, ob es gelingt, mit positiven Rahmenbedingungen das Interesse der Kunststoff erzeugenden Industrie an Biokunststoffen verstärkt zu wecken. Zusätzliche Anreize könnten Veränderungen der politischen Rahmenbedingungen sowie die Optimierung der bisher am Markt befindlichen Biokunststoffe und die Erweiterung des Anwendungsspektrums erbringen.

Von 14 Millionen Tonnen Verpackungen, die in den 2000er Jahren jährlich in Deutschland hergestellt werden, bestehen fast 40 Prozent aus Kunststoff. Rund 1,8 Millionen Tonnen hiervon entfallen auf kurzlebige oder nur einmal gebräuchliche Kunststoffverpackungen wie Folien, Beutel, Tragetaschen, Säcke oder Einwegbesteck und -geschirr. Diese Produkte zur hygienischen Verpackung der Lebensmittel könnten problemlos auch aus Stärkekunststoffen und Polylactiden gefertigt werden. Aufgrund dieser Tatsache halten Experten ein Marktvolumen für Biokunststoffe in Deutschland von zwei Milliarden Euro für realistisch. Dieser Einschätzung nach ist auch europaweit davon auszugehen, dass etwa die Hälfte der sechs Millionen Tonnen „Wegwerf-Verpackungen“ durch Biokunststoffe ersetzt werden könnten. Aufgrund des ausgeprägten Wettbewerbs auf dem Kunststoffmarkt können Biokunststoffe allerdings aktuell noch nicht mit dem branchenüblichen Preis-Niveau konkurrieren.

2007 lag der Verbrauch an biologisch abbaubaren Biokunststoffen in Westeuropa im Jahr 2007 bei ca. 60.000 – 70.000 Tonnen, was einem Anteil am gesamten Kunststoffmarkt von unter 1 % entspricht. Die Wachstumsraten sind jedoch zweistellig und erreichen in einigen Bereichen bis zu 50 % pro Jahr. Allein der Verbrauch von biologisch abbaubaren Kunststoffen auf der Basis von Stärke, Zucker und Cellulose, den drei bislang wichtigsten Rohstoffen, hat sich in den Jahren 2000 bis 2008 um 600 % erhöht. Die weltweiten Produktionskapazitäten für biologisch abbaubare Kunststoffe für das Jahr 2007 lagen bei 315.000 t, von denen 189.000 t auf Basis Nachwachsender Rohstoffe produziert wurden. Dabei liegt Europa mit 140.000 t Produktionskapazität vor Nordamerika mit 80.000 t.

Neben der Preisentwicklung der Standardkunststoffe, die an den Erdölpreis gebunden sind, spielen weitere Faktoren eine Rolle für die Marktentwicklung. So wird eine weitere Diversifizierung der Biokunststoffe für ein immer breiter werdendes Anwendungsspektrum angenommen. Hinzu kommen bessere und effektivere Verarbeitungstechniken und die zunehmende Akzeptanz seitens der Verbraucher und des Handels.

(Quelle: wikipedia.de)