Unternehmen und Politik – zu wenig Bewegung


mikro3In den USA kämpfen Anti-Plastik-Umweltschutzorganisationen wie 5Gyres und Plastic Free Seas darum, Unternehmen davon zu überzeugen, künftig auf Mikroplastik zu verzichten. Nun sind erste Erfolge zu verzeichnen. Procter & Gamble hat sich verpflichtet, alle Mikroplastikteile bis 2017 aus seinen Produkten zu entfernen. Das Unternehmen Johnson & Johnson hat sich verpflichtet, die Produkte Neutrogena und Clean & Clear vom Markt zu nehmen. Diese Produkte sind auch in Europa erhältlich. Unilever hat angekündigt, ab 2015 keine Kunststoffpartikel mehr in seinen Kosmetikprodukten zu verarbeiten. Beiersdorf, Colgate-Palmolive und L’Oréal wollen nachziehen, legen sich aber noch nicht auf einen Termin fest.

Wie sieht die Situation in Deutschland aus? Die Problematik Mikroplastik wird vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) bestritten. Die Kläranlagen würden die Mikroplastik-Partikel filtern. Er verweist auf die steigende Vermüllung der Gewässer durch große Plastik-Teile. Diese würden zerfallen und Hauptursache des Mikroplastiks sein.

Gleichwohl möchten die in dem Verband organisierten Kosmetikunternehmen in Zukunft freiwillig darauf verzichten, ihren Kosmetika Kunststoffe beizumischen. Der Nivea-Hersteller Beiersdorf strebt den Ausstieg auch in Europa bis Ende 2015 an; andere Unternehmen wollen sich hingegen noch zwei Jahre länger Zeit lassen.

Die deutsche Anti-Plastik-Umweltschutzorganisation Plasticontrol fordert deutsche Unternehmen auf, SOFORT in Produkten wie Duschpeelings, Zahncremes und Kontaktlinsenreinigern auf Mikroplastik zu verzichten. Die Liste der Produkte mit Mikroplastik wird immer länger, die Hersteller reichen von der Drogeriemarkt-Kette dm mit einigen Produkten der Serie Balea, bis zu Nivea Produkten des Konzerns Beiersdorf. Die Produzenten von Produkten mit Mikroplastik müssen diese umgehend durch natürliche, umweltverträgliche Anteile ersetzen.

Das Bundesumweltministerium und die Bundesregierung unterstützen den Verzicht der Unternehmen zwar, sehen allerdings keine Notwendigkeit, zusätzlichen gesetzlichen Druck auszuüben. Das Bundesumweltministerium kündigt lediglich weitere Studien an. Plasticontrol kritisiert diese Haltung. Aufgrund der Gefährdung der Umwelt kann nur über gesetzliche Rahmenbedingungen sicher gegangen werden, dass kein Mikroplastik in die Umwelt gerät – bei aller Wertschätzung des Selbstverzichtes.

Plasticontrol hat entsprechende Petitionen zum Verbot von Mikroplastik in Körperpflegeprodukten und Kosmetika bei der Europäischen Union und dem Deutschen Bundestag eingereicht,

Plasticontrol fordert darüber hinaus den Einzelhandel dazu auf, Kosmetik- und Körperpflegeprodukte mit Mikroplastik-Kügelchen aus dem Verkauf zu nehmen.