Neue Bioplastik-Produkte


Filderstadt – Raphael Stäbler und Fabian Rupp sind Wirtschaftsingenieure. Begegnet sind sich die beiden beim Studium in Weingarten. Vor einem Jahr, im Februar 2012, haben sie, heute 32 und 30 Jahre alt, in Filderstadt ihre Firma 4e solutions gegründet. „Doch am Anfang stand die Idee“, sagt Raphael Stäbler.

Die entwickelten beide, seit sie 2006 im Studium erstmals mit „ihrem“ Werkstoff zu tun hatten. Das Material besteht aus Zellulose (Biopolymere aus Zucker), Mineralien und Wachsen. Es hat die guten Eigenschaften eines Kunststoffs, aber nicht die negativen der Plastikteile, die aus Erdöl gefertigt sind. Alle Anteile sind nachwachsende Rohstoffe. Das Endprodukt ist vollständig recycelbar und CO2-neutral. Alle Produktionsschritte erfolgen in Deutschland. Und das Material ist absolut lebensmittelecht.

So kam das Duo auf die Idee, Frischhalteboxen zu entwickeln. „Immer mehr Verbraucher kaufen Bio-Lebensmittel ein“, sagt Stäbler. „Zu Hause packen sie die Produkte dann in herkömmliche Plastikboxen.“ Das passe nicht zusammen, so Stäbler: „Diese Lücke wollen wir schließen.“

Das Filderstädter Tandem wandte sich an die Firma Tecnaro in Heilbronn, die den Werkstoff herstellt. Zunächst genügte er den Anforderungen der jungen Tüftler aber noch nicht: „Er war nicht hitzebeständig.“ Das Unternehmen hat ihn jetzt weiterentwickelt, so dass die Boxen 100 Grad aushalten und in die Spülmaschine können – „eine Grundvoraussetzung“, wie Raphael Stäbler findet. Er und Geschäftspartner Rupp wollten aber nicht nur ein funktional perfektes Produkt, sondern auch ein optisch ansprechendes. Ines Paul und Julia Burkert von Goldersbach Design in Tübingen setzten die Vorstellungen der Ingenieure um. Ergebnis: schlichte schnörkellose Boxen in reinem Weiß. Pfiff erhalten sie durch Farbringe in Mandarin, Pink, Lime und Cool Gray, die immer wieder leicht ausgetauscht werden können und ebenfalls ohne jegliche Chemie hergestellt werden.

70.000 Euro in Spezialwerkzeuge investiert

Produziert wird im Spritzgussverfahren in Nürtingen. Dort lassen Stäbler und Rupp das Rohmaterial als Granulat anliefern, sie selbst haben rund 70.000 Euro in Spezialwerkzeuge investiert. Seit sechs Wochen sind die ersten Boxen auf dem Markt, zunächst in den vier kleineren Größen für 0,6 bis 2,1 Liter. Vier weitere voluminösere Varianten sollen noch dieses Jahr in die Fertigung gehen.

Getauft haben die jungen Erfinder ihre innovative Marke Ajaa – was finnisch ist und bedeutet: etwas bewegen oder vorantreiben. Dass sie mit ihrer Marke tatsächlich einen Volltreffer gelandet haben, stellten die beiden jetzt auf der Messe Bio-Fach in Nürnberg fest. Sie angelten sich mit Ajaa in der Sparte Non Food den Best New Product Award 2013. Jury waren die Messebesucher, die von den Bio-Kunststoffboxen unter mehr als 40 neuen Objekten am meisten überzeugt waren. Raphael Stäbler vermutet, dass die Boxen weltweit einmalig sind. Ganz sicher gebe es aber in Deutschland keinen anderen Hersteller von Haushaltswaren, der einen Öko-Kunststoff einsetzt und damit auf Weichmacher und Erdöl verzichtet. 4e solutions – 4e steht für die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft – sei definitiv Vorreiter in der Branche.

„Sobald sich das etabliert hat, springen andere auf“

Allerdings wird das Produkt vermutlich schnell Nachahmer finden. „Wir haben einen Vorsprung“, sagt Stäbler. Doch er rechnet damit, dass es womöglich bald weitere Anbieter gibt. Das Material ist zwar geschützt, der Werkstoff aber frei verkäuflich. „Sobald sich das etabliert hat, springen andere auf“, vermutet Stäbler.

4e solutions will deshalb mit Ajaa ­schnellstmöglich weitläufig am Markt präsent sein. 14 Einzelhändler und sechs Online-Händler vertreiben die Boxen bisher. Ziel ist die Vermarktung im gesamten deutschsprachigen Raum, eventuell auch in Frankreich und Dänemark. Ideale Anbieter sind aus Stäblers Sicht Bio-Läden, aber auch bäuerliche Hofläden und Haushaltswarengeschäfte. Das renommierte Haus Tritschler (Stuttgart und Esslingen) will laut Stäbler die Boxen ins Sortiment aufnehmen.

Je mehr Teile verkauft werden, desto günstiger kann das junge Unternehmen sie vermarkten. „Bisher liegen sie noch im Bereich von Tupperware“, sagt Stäbler. Sie kosten zwischen 19,90 und 26 Euro, die größeren dann bis zu 30 Euro. Dafür sind Müsli, Reis und Käse dann auch über längere Zeit wirklich lebensmittelecht verpackt.

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