Neue Studie zu Weichmachern hinsichtlich Adipositas und Epigenetik


Chemie fördert Adipositas – noch Generationen später

War die Uroma Giftstoffen wie Weichmachern ausgesetzt, bekommen das noch die Urenkel mit Krankheiten zu spüren: Schäden durch Plastikbestandteile sind erblich – nachgewiesen an Ratten. Von Björn Lohmann / Die Welt

Die Belastung einer Schwangeren mit Giftstoffen kann zu Gesundheitsschäden bis in die Urenkel-Generation führen. Zu den betroffenen Substanzen gehört auch das in Weichmachern enthaltene Bisphenol A. Über ihre Untersuchung an Ratten berichten US-Biologen in den Fachmagazinen “PLOS ONE” und “Reproductive Toxicology”.

Das Team um den Molekularbiologen Michael Skinner von der Washington State University in Pullman setzte schwangere Ratten den Plastikbestandteilen Bisphenol A sowie den Phtalaten DEHP und DBP aus. Sieben Tage lang spritzten die Forscher den Ratten täglich einen Mix aus 50 Milligramm Bisphenol A je Kilo Körpergewicht der Ratten, 750 Milligramm DEHP je Kilo Körpergewicht sowie 66 Milligramm DBP je Kilo Körpergewicht. Die Embryos der Ratten befanden sich in dieser Zeit in der Phase der Entwicklung der Keimdrüsen, also ihrer Hoden oder Eierstöcke.

Auffälligkeiten bis in die dritte Generation

Sowohl die Kinder der belasteten Ratten als auch die Enkel und Urenkel wiesen im Vergleich mit einer Kontrollgruppe vermehrt gesundheitliche Schäden auf. Nur die erste Kindgeneration zeigte Krankheiten der Prostata und der Nieren. Bis in die dritte Generation allerdings fanden die Biologen um Skinner veränderte Pubertätszeitpunkte, Erkrankungen der Hoden oder der Gebärmutter sowie – besonders bemerkenswert – Fettleibigkeit (Adipositas).

Die Vererbung der chemischen Belastung erfolgt der Studie zufolge über sogenannte epigenetische Veränderungen im Spermium. Dabei handelt es sich um die umkehrbare Inaktivierung bestimmter Gene, die durch Umwelteinflüsse erfolgt.

Bis vor wenigen Jahren galten epigenetische Faktoren im Gegensatz zu Genmutationen als nicht erblich, weil sie die Buchstaben im genetischen Code nicht ändern. In letzter Zeit mehren sich jedoch Studien, die belegen, dass die Folge von Umwelteinflüssen vererbt werden kann. Auch in den vorliegenden Studien scheint zumindest ein Teil der epigenetischen Veränderungen an den Nachwuchs weitergegeben zu werden.

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