Plasticontrol gibt Petition zum Verbot von Bisphenol A beim Bundestag ab


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Plasticontrol fordert per Petition den Deutschen Bundestag auf, ein Verbot von Bisphenol A in Deutschland umzusetzen. Seit Januar hat Frankreich Bisphenol A in der Verpackung von Babynahrung gesetzlich verboten. Ab 2015 müssen alle Lebensmittelverpackungen in Frankreich frei sein vom Weichmacher Bisphenol A. Schweden strebt ein Totalverbot von Bisphenol A an. Da sich die Entscheidungsfindung auf der Ebene der EU noch bis mindestens 2014 hinzieht und auch im Ergebnis unsicher gilt, muss Deutschland ebenfalls eine nationale Lösung finden.   Bisher wartet das Verbraucherministerium eine erneute Stellungnahme der EU-Lebensmittelbehörde Efsa ab. Und man orientiert sich an älteren Einschätzungen des Bundesinstituts für Risikobewertung, dass die Aufnahme von BPA über die Nahrung zu keiner gesundheitlichen Schädigung führt. Diese Einschätzung ist überholt, wie die Verbotsverfahren in europäischen Ländern zeigen, die sich an neueren Studien orientieren. Bisher besteht in Deutschland lediglich ein Verbot für Bisphenol A in Babyflaschen. Die EU hat die Nutzung der Chemikalie in Babyflaschen 2011 verboten und folgte damit dem Vorbild einzelner Länder wie Schweden, die sich schon früher zu diesem Schritt durchgerungen hatten.

Bisphenol A ist ein Weichmacher, der im Verdacht steht, mehrere Krankheiten auszulösen und zu fördern. Unter anderem wird Bisphenol A über Lebensmittelverpackungen, Kassenquittungen, Trinkflaschen und Konserven an den menschlichen Organismus weitergegeben. Bisphenol A ist in einer unüberschaubaren Menge an Produkten enthalten. In einer kritischen Inventur der Gemeinde Göteborg in Schweden wurde Bisphenol A in mindestens 900 verschiedenen Alltagsprodukten vom Plastikteller bis zum Kinderspielzeug aufgespürt. Die synthetische Chemikalie wirkt hormonähnlich im Körper, da sie zu der Gruppe der endokrinen Disruptoren gehört. Ursprünglich wurde die Substanz, die im Körper ähnlich wie das weibliche Sexualhormon Östrogen wirkt, sogar für die Hormontherapie genutzt.

Aus einer Vielzahl von Tierexperimenten und Messungen in Blut sowie Urin von Menschen, schließen Forscher mittlerweile auf ein deutlich erhöhtes Risiko für Übergewicht, die Entstehung von Tumoren, Zahnschäden, Erektionsstörungen, Unfruchtbarkeit, Herzerkrankungen, Diabetes, Hyperaktivität, eine verfrühte Pubertät, Fehlbildungen des Nervensystems und der Hirnfunktionen.

STUDIEN-BEISPIELE: Eine bisher unbekannte Folge könnte sein, dass sich bei Kindern der Zahnschmelz nicht richtig entwickle, berichten Forscher der Universite Paris-Descartes im “American Journal of Pathology”. Sie vermuteten einen Zusammenhang von Bisphenol A mit einer Störung namens Molar-Incisor-Hypomineralisation (MIH). Dabei treten an Schneide- und Backenzähnen Flecken auf, und der Zahnschmelz wird brüchig. Die Zähne sind schmerzempfindlich und kariesanfällig. Je nach Geburtsjahr sind drei bis 20 Prozent aller Kinder betroffen. Gerade in den ersten Lebensmonaten, wenn sich der Zahnschmelz bildet, seien Kinder besonders anfällig für die Effekte von Bisphenol A und die Konzentrationen in ihren Körpern hoch. Bei Ratten, die vor und kurz nach der Geburt Bisphenol A ausgesetzt waren, entdeckten die Forscher weiße Flecken und brüchige Kanten auf den Zähnen. Die Schäden glichen denen bei Menschen – zu wenig Mineralien, zu viel organische Substanz. Dabei lagen die eingesetzten Bisphenol A-Konzentrationen zehnmal tiefer als die Grenzwerte der Europäischen Union.

Wissenschaftler haben zudem herausgefunden, dass Bisphenol A die Funktion des Gens KCC2, das am Wachstum von Neuronen und Nervenzellen beteiligt ist, negativ beeinflusst. Eine Studie fand anhand von Tests an Ratten und gezüchteten menschlichen Neuronen heraus, dass weiblichen Nervenzellen anfälliger für Bisphenol A sind als männliche Neuronen. Dies könnte erklären, warum bestimmte neurologische Erkrankungen der Menschen häufiger bei Frauen auftreten, wie zum Beispiel das Rett Syndrom, eine schwere Form von Autismus, sagen Wissenschaftler.

Wissenschaftler der University of Missouri-Columbia fanden zudem heraus, dass Frauen mit einer hohen Konzentration an Bisphenol A im Blut mehr wiegen als ihre Geschlechtsgenossinnen mit niedrigen Werten. Auch die Kinder von stark mit Bisphenol A belasteten Müttern waren dicker als der Nachwuchs wenig belasteter Frauen. Ähnliche Effekte waren aus Tierversuchen bereits bekannt: Mäuse, die Bisphenol-A-haltiges Futter bekamen, legten deutlich an Gewicht zu.  Die University of Missouri-Columbia vermutet deshalb, dass die hormonwirksame Chemikalie den Stoffwechsel beeinflusst und sogar Ungeborene im Mutterleib aufs Zunehmen programmieren könnte.

Forscher der Universität Exeter fanden heraus, dass Bisphenol A möglicherweise auch für Herzerkrankungen und Diabetes verantwortlich ist. Die englische Studie hat gezeigt, dass Menschen, die hohe Bisphenol-A-Werte im Urin haben, ein fast dreifach erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen und ein 2,4-fach gesteigertes Diabetesrisiko im Vergleich zu Menschen mit unauffälligen Werten haben.

Zu Hyperaktivität bei Kindern resultierend aus der Zuführung von Bisphenol A, existiert eine Studie der Harvard School of Public Health. Hier wurden die Daten von 244 Müttern und ihren dreijährigen Töchtern aus der Region Cincinnati untersucht. Die Mütter hatten zwei Urinproben während der Schwangerschaft und eine zur Zeit der Geburt abgegeben, die auf Bisphenol A getestet wurden. Ihre Kinder wurden zwischen ihrem ersten und dritten Lebensjahr jährlich auf den Weichmacher untersucht. Zudem machten die Mütter, als ihre Kinder drei Jahre alt waren, Angaben zum Verhalten ihrer Töchter. Keines der Kinder wies klinisch anormales Verhalten auf, aber manche Kinder hatten größere Verhaltensprobleme als andere. Bisphenol A wurde in über 85 Prozent der Urinproben der Mütter entdeckt und in über 96 Prozent der Proben der Kinder. Nachdem andere beeinflussende Faktoren ausgeschlossen werden konnten, stellte sich heraus, dass Frauen mit einem hohen Bisphenol A-Wert in der Schwangerschaft eher hyperaktive, aggressive, ängstliche oder depressive Töchter hatten, die ihre Emotionen schlechter kontrollieren konnten. Für Jungs konnte ein solcher Zusammenhang nicht hergestellt werden. Die Studie bestätigt zwei frühere Untersuchungen, die auf den Einfluss von Bisphenol A im Mutterleib auf das Verhalten von Kindern hingewiesen haben. Die aktuelle Studie zeigt aber zum ersten Mal, dass eine Belastung im Mutterleib folgenreicher ist als in späteren Jahren.

Auch zum Thema der früher einsetzenden Pubertät und möglichen Gesundheitsfolgen, existiert eine Studie aus den USA, der Mount Sinai School of Medicine in New York. Der Beginn der Pubertät bei Mädchen in den westlichen Industrieländern findet heute durchschnittlich ein Jahr früher als noch vor zwanzig Jahren statt. Ihre erste Menstruation erleben Mädchen derzeit im Durchschnitt mit zehn Jahren und drei Monaten. Fettreiche Mahlzeiten und die weit verbreitete Couch-Potato-Mentalität sind daran sicher nicht unbeteiligt, doch vermuten immer mehr Wissenschaftler, dass der Beginn der Geschlechtsreife auch von Umweltgiften beeinflusst werden könnte. Bestimmte hormonwirksame Chemikalien können die Wirkung weiblicher Sexualhormone so nachahmen, dass es bei Mädchen zu einer vorzeitigen Pubertät kommen könne, erklärte das Forscherteam der Mount Sinai School of Medicine in New York. Ob ein Jahr früher oder später, macht ja nun wirklich nichts aus, könnte man meinen. Doch bringe die frühe pubertäre Entwicklung leider gesundheitliche Nachteile mit sich, da sie das Risiko für Krebserkrankungen und Diabetes im späteren Leben deutlich erhöhe, erklärte das Forscherteam der Mount Sinai School.

Doch nicht nur Frauen und Kinder sind von gesundheitsschädlichen Effekten von Bisphenol A betroffen. Verschiedene Studien zeigen mittlerweile auf, dass Männer nach intensivem Kontakt mit Bisphenol A Erektions- und Ejakulationsprobleme sowie ein erhöhtes Prostatakrebsrisiko haben können. Chinesische Forscher fanden heraus, dass CD- Hüllen, Lebensmittelverpackungen und sogar Zahnfüllungen die Samenqualität von Männern beeinträchtigen können – genaugenommen das enthaltene Bisphenol A.

Die Mitarbeiter des US-Gesundheitsfürsorgers Kaiser Permanente hatten wiederum zuvor schon wiederholt bei amerikanischen Männern festgestellt, dass Bisphenol A auch das Sexualleben beeinträchtigten kann. Die gleichen US-Forscher verglichen nun bei 218 chinesischen Arbeitern die Bisphenol A-Werte im Harn mit der Samenqualität. Resultat: Höhere Konzentrationen der Chemikalie steigerten das Risiko für eine schlechte Samenqualität um das Zwei- bis Vierfache, so die Wissenschaftler. Darunter litt sowohl die Konzentration der Spermien als auch ihre zur Befruchtung wichtige Vitalität und Mobilität.

Zum Thema Prostatakrebs und dessen Veranlagung durch eine frühe Belastung durch Bisphenol A bei Babys, hat die University of Illinois at Chicago einen dramatischen Zusammenhang im Rahmen eines Tierversuches festgestellt.

Diese Studien stehen nur exemplarisch für eine Vielzahl neuerer Untersuchungen, die die Schädlichkeit von Bisphenol A aufzeigen. Daher soll Deutschland umgehend Bisphenol A verbieten sowie ein Verbot auf europäischer Ebene unterstützen.

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