Meerestiere und Plastik


Belize_Houston_(Feb_2007)_052Plastikmüll im Meer wirkt sich in der ganzen Breite auf die Lebewesen im Meer aus. Dies betrifft direkt auch den Menschen: Plastik-Kleinstpartikel werden durch die Strömungen abgetragen und sinken ab, wo sie von Lebewesen gefressen werden und in den Nahrungskreislauf gelangen. Auf diese Art nehmen auch Fische, die später bei uns auf dem Teller landen, teilweise große Mengen Plastik auf – das auf diese Art und Weise dann in unseren Körpern landet.

Das Plastik enthält chemische Stoffe, wie das hormonell wirksame Bisphenol A. Zudem bindet Plastik im Meer chemische Stoffe und reichert diese an. Denn jüngste Arbeiten japanischer Forscher zeigten, dass bei den Zersetzungsprozessen von Plastik im Meer auch direkt gefährliche Chemikalien wie Bisphenol A, Phtalate oder Styrolverbindungen freigesetzt werden, die sich in der Nahrungskette anreichern und nachhaltig das Erbgut und den Hormonhaushalt mariner Lebewesen beeinflussen können. Auch sind in der Langzeitfolge schädliche Auswirkungen auf den Menschen nicht auszuschließen. BPA steht in dem Verdacht als potentes Östrogen bereits in geringen Dosen zu Fehlgeburten und anderen Fortpflanzungsstörungen zu führen (siehe den Link “Krankheiten”).

Doch der Mensch hat das Problem selber verursacht. Tragisch ist die Auwirkung des Plastiks auf die Tiere.

Denn allzu oft richtet Treibgut fatale Schäden an: Es gibt schauerliche Geschichten erzählen von Albatrossen und Möwen, die sich in Plastiknetzen verheddern, von Seeottern, die an Sixpack-Ringen ersticken, oder von Meeresschildkröten, die Einkaufstüten verschlingen, weil sie diese mit Quallen verwechseln. Zunehmend existieren auch Fotos von an Plastik verendeten Lebewesen oder in Plastik verhedderten Tieren.

voegel-todfunde-2009-basstoelpel-schnabel-blockiert-0981Beeindruckt hat Meeresforscher eine Studie an 600 toten Eissturmvögeln, die an die Küsten der Nordsee geschwemmt worden waren. Ein Team des niederländischen Forschungsinstituts Alterra obduzierte die Vögel und fand heraus, dass über 95 Prozent von ihnen unverdauliche Abfälle gefressen hatten, im Schnitt 44 Teilchen pro Tier.

Mittlerweile gehen Forscher von insgesamt 1 Millionen an Plastikmüll verendeter Vögel weltweit. Meist handele es sich dabei um die Deckel von PET-Flaschen, die von den Vögeln für Essbares gehalten würden.

In einer der weltgrößten Albatros-Brutkolonien auf den pazifischen Midway-Inseln sterben heute zwei von fünf Küken an den Folgen der Wasserverschmutzung durch Plastik.Der Umweltaktivist Wolf Wichmann beobachtet bereits seit Jahren die Seevogel-Kolonien der berühmten Hochseeinsel Helgoland. Was hier an Kunststoffen mit der Flut an die Küste schwappt, bedroht massiv das Vogelparadies. Vor allem im Frühjahr und im Herbst ist Helgoland Rastplatz für Zigtausende von Zugvögeln. 12.000 Paare sind es allein im Jahr 2011. Trottellummen, Dreizehenmöwen und Basstölpel bevölkern den Buntsandstein und bauen in den Felsvorsprüngen ihre Nester. Hier hat Wolf Wichmann eine gespenstische Entdeckung gemacht: Seit geraumer Zeit bauen die Vögel ihre Nester auch mit Kunststoffresten. Ihr praktischer Sinn für alles Verwertbare wird ihnen zum Verhängnis. Wohin man schaut, liegen auf den Felsen tote oder sterbende Vögel. Ohne Chance auf Rettung, denn niemand kann die steilen Bunt hinauf klettern. Diesen grausamen Tod sterben Vögel nicht nur auf Helgoland. Auch der Vogelwart Frank Gutzke registriert, wie sich die Lage überall an der Nordsee zuspitzt. Überall an der Küste findet er in den Vogelnestern bunte Plastikteile. Die Vögel machen keinen Unterschied zwischen natürlichem Baumaterial und Kunststoff. Der Vogelwart Frank Gutzke findet kein Nest, in dem nicht auch Plastik verbaut ist. Die Seevögel verwickeln sich beim Nestbau in Plastikseilresten oder Küken wachsen nach dem Schlüpfen regelrecht in Plastikfallen hinein. Sie können sich nicht befreien, ersticken oder verhungern.

Wale werden nicht nur von Jägern bedroht. Viele Tiere sterben auch in Plastik-Netzen, mit denen Fischer eigentlich Fische fangen wollen. Die Wale verheddern sich in den Netzen und ersticken, weil sie nicht mehr auftauchen können, um Luft zu holen. Außerdem verschmutzen die Menschen den Lebensraum der Wale, das Meer, immer stärker. Auch Wale verwechslen Plastik mit Futter. Bei einer Autoption eines toten kleineren Wals in Puerto Rico, wurden 5 Kilo Plastik in dessen Magen gefunden.