Plastik-Lobby macht Druck in Brüssel aufgrund drohenden Bisphenol A Verbot


PC/BPA Group reicht Beschwerde zu Bisphenol A bei der EU ein – Umwelschutzorganisation Plasticontrol begrüsst Entscheidung der EFSA zur Wiederaufnahme der Bewertung sowie das Teil-Verbot in Frankreich

Die PC/BPA Group innerhalb des europäischen Verbandes der Kunststoffindustrie PlasticsEurope hat im Zusammenhang mit der Entscheidung Frankreichs, die Chemikalie Bisphenol A (BPA) in Lebensmittelverpackungen zu verbieten, eine Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht.

In Frankreich ist BPA laut Gesetz seit dem 1. Januar 2013 in Lebensmittelkontaktmaterialien, die mit Kindern unter drei Jahren in Berührung kommen, verboten. Ab dem 1. Januar 2015 soll es darüber hinaus in allen Lebensmittelkontaktmaterialien verboten werden. Nach Ansicht der PC/BPA Group verstosse das französische Gesetz gegen eine Reihe von EU-Vorschriften.

Die Umweltschutzorganisation Plasticontrol bewertet die Situation anders. Denn die so genannten „Hormonstörer“ in Plastik werden inzwischen für eine Reihe von Krankheiten mitverantwortlich gemacht, darunter Krebs, Diabetes, Hyperaktivität, Übergewicht und vor allem Unfruchtbarkeit. Bisphenol A (BPA) hat eine hormonähnliche Wirkung, die offenbar die Samenproduktion des Mannes einschränken kann.

Schon jetzt schützt die Pariser Regierung ihre Bürgerinnen und Bürger wesentlich rigoroser vor den möglichen Schäden des Plastik als seine Nachbarländer: Noch vor der Sommerpause soll dem Regierungskabinett ein Gesetzestext vorgelegt werden, um eine politische Strategie gegen den gefährlichen Gebrauch von Plastik für Nahrungsmittel und Kosmetika zu finden. Geplant sind unter anderem Informationskampagnen für die Bevölkerung aber auch Forschungsmittel, um der Schädlichkeit der Stoffe und möglichen Alternativen auf die Spur zu kommen.

Der neue Aktionsplan ist vor allem auch ein großes Symbol für eine Gesundheitsdebatte, die seit Jahren in Brüssel gescheut wird. Bislang hat die Europäische Union Bisphenol A nur für Babyprodukte wie Schnuller und Fläschchen verboten, obwohl die hormonelle Wirkung der Chemikalie schon lange bekannt ist und sie beispielsweise in Amerika generell als „gesundheitsgefährdend“ eingeschätzt wird. Die chemische Industrie und Verbraucherschützer stehen sich in der Frage der Schädlichkeit von Plastik bislang unversöhnlich gegenüber – wohl auch, weil der Stoff so alltäglich ist und gerade für die Lebensmittelindustrie als unersetzlich gilt.

Doch nicht nur das Verbot in Frankreich und anderen Ländern macht den Lobbyverband nervös. Die Europäische Behörde für Lebennsmittelsicherheit (EFSA) hat angekündigt, im Juli eine öffentliche Konsultation zu einer aktualisierten und erweiterten Abschätzung der BPA-Exposition in Europa in die Wege leiten. Die Behörde hatte zuletzt 2006 eine Expositionsabschätzung zu BPA durchgeführt. Die neue Abschätzung stellt eine umfassende Aktualisierung dar und berücksichtigt sowohl Nahrungs- als auch Nicht-Nahrungsquellen (wie Papier, Einatmen und Staub). Während die EFSA-Sachverständigen bedeutende Fortschritte bei der Bewertung potenzieller Risiken durch BPA für die menschliche Gesundheit erzielt hätten, würde mehr Zeit benötigt, um wichtige gesundheitliche Auswirkungen, die in Tierversuchen beobachtet wurden, sowie deren mögliche Relevanz für die menschliche Gesundheit zu bewerten. Alle Interessengruppen und sonstigen interessierten Kreise werden von Mitte Juli bis Mitte September 2013 die Möglichkeit haben, ihre Stellungnahmen zu dem Entwurf der Expositionsabschätzung abzugeben. Vor Fertigstellung des wissenschaftlichen Gutachtens wird die EFSA in einer zweiten Phase Anfang 2014 eine öffentliche Konsultation zu den die menschliche Gesundheit betreffenden Aspekten ihrer Risikobewertung durchführen.

Noch 2006 hatte die EFSA einen Zusammenhang von Ergebnissen aus Tierversuchen und der möglichen Übertragbarkeit auf den menschlichen Organismus ausgeschlossen. Die Vielzahl neuer Studien und das Engagement der Regierungen in Frankreich, aber auch in Schweden oder Dänemark, hat jetzt Wirkung gezeigt. Plasticontrol fordert die EFSA auf, keine Entscheidungen aufgrund des Einflusses der Lobbyverbände zu treffen. Darüber hinaus fordert Plasticontrol die Bundesregierung auf, endlich ein umfassendes Verbot von Bisphenol A zu unterstützen.

 

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