Plastik zu Erdöl – neue Fabrik eröffnet


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Zwar gibt es Verfahren, um bestimmte Kunststoffe erneut zu nutzen, doch einige Plastiksorten sind dafür nicht geeignet. Viel wäre gewonnen, wenn es gelingt, diesen Plastikmüll wieder zurückzuverwandeln in Öl, um die natürlichen Ressourcen zu schonen.

Verfahren zur Rückgewinnung von Öl aus Plastik sind nicht neu. Nur kam bisher in den meisten Fällen am Ende Schweröl heraus – ein schwer verwertbares Abfallprodukt der petrochemischen Industrie, das allenfalls von Schiffsmotoren verbrannt wird. Die Firma „Diesoil Engineering“ betreibt nun eine Anlage, bei der hingegen reines Heizöl aus den Leitungen fließt.

Zunächst wird der gesammelte Plastikmüll geschreddert, dann gereinigt und anschließend ungeeignete Kunststoffe heraus gefiltert. Allerdings gibt es einiges zu beachten: PVC etwa lässt sich mit dem Verfahren nicht zurückverwandeln. Und hochwertige Kunststoffe, wie etwa PET-Flaschen, sollten besser direkt recycelt werden, um wieder neue PET-Produkte wie Flaschen oder Fleecestoffe herzustellen. Insbesondere Kunststoffgemische sind für die Verwertung interessant, bei denen die Trennung in sortenreines Plastik zu aufwendig wäre und die deshalb in der Verbrennung landen. Dünne Plastiktüten zum Beispiel, die oft achtlos weggeworfen werden und deren Entsorgung teuer ist.

Nach dem Sortieren folgt der eigentliche „Plastoil“-Prozess. Die Schnipsel werden erhitzt, wobei die Kunststoffe in einem ersten Reaktor eingeschmolzen und anschließend in einem zweiten zu Gas verdampft werden. Bei diesem „cracking“ genannten Verfahrensschritt seien die Temperatur und die Dauer des Erhitzens entscheidend, um die Molekülketten in gewünschter Weise aufzuspalten, erläutert Weser.

Stoffe, die sich nicht zur Weiterverarbeitung eignen, unter anderem Chlor und Schwefel, werden herausgefiltert und entsorgt. Übrig bleibt ein Gasgemisch, das kondensiert, also wieder verflüssigt wird. Was am Ende der Kette aus Rohrleitungen, Filtern und Tanks aus dem Hahn tropft, ist reines Heizöl beziehungsweise Diesel, das dem EU-Standard EN-590 entspricht.

Dem Unternehmen zufolge lasse sich aus einem Kilogramm Plastik rund ein Liter Öl gewinnen. Die Produktionskosten belaufen sich umgerechnet auf 27 Cent pro Liter. Bei einem vorsichtig geschätzten Verkaufspreis von 70 Cent ergebe sich eine ansprechende Gewinnmarge, sagt der Erfinder. Bei Fachleuten besteht höchste Skepsis, aufgrund der Verunreinigung von Plastikabfällen mit Stoffen wie Aluminium.

Der Erfinder des Plastoil-Verfahrens glaubt, der Verunreinigungen dennoch Herr zu werden. Er setzt auf neuartige Infrarotscanner, die die Bestandteile im Abfallstrom besser erkennen und sortieren helfen. Außerdem würden die geschredderten Plastikschnipsel vor der Aufbereitung gereinigt.

Diesoil ist so zuversichtlich, dass sie derzeit die erste kommerziell ausgerichtete Anlage im sächsischen Großenhain errichten lassen. 15 000 Tonnen Plastikmüll sollen dort jährlich verarbeitet werden. Eine Kooperation mit dem Dualen System Deutschland sei dabei allerdings nicht geplant, sondern Müll soll direkt von den Gemeinden abgenommen werden.

Quelle: tagesspiegel.de / Frank Odenthal

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