Plastikmüll verschmutzt die Balearen


Die Urlaubsidylle an vielen Stränden Mallorcas ist derzeit getrübt. Ungünstige Windverhältnisse treiben riesige Menge Plastik an die Küsten. Anwohner und Touristen sind entsetzt. Doch manche Experten sehen die Krise sogar positiv.

Mallorca hat ein Problem. In nur wenigen Tagen haben sich Teile des Strandes an der Südküste der Insel von einem Paradies in eine Mülldeponie verwandelt. “Das wird jedes Jahr schlimmer”, klagt ein Anwohner. Freiwilliger sammeln den Müll säckeweise auf. Doch das gleicht einer Sisyphusarbeit.

Auch an zig anderen Buchten der Insel, vor allem im Süden und Südwesten, schimpfen Anwohner und Urlauber über erschreckend viel Unrat im Meer. Bereits zuvor hatte Mallorcas Umweltverband GOB Alarm geschlagen und Fotos aus dem Cabrera-Nationalpark, dem zwölf Kilometer vor Mallorca gelegenen Archipel, verbreitet: Sie zeigen eine ans Ufer schwappende Dreckbrühe. Dazu eine Schildkröte, die sich in einem Plastikband verheddert hat. Und zahlreiche, aus einer algerischen Fabrik stammenden Milchtüten. Auch vor der Küste von Ibiza ist viel Müll aufgetaucht.

GOB-Sprecher Toni Muñoz wundert sich kein bisschen über die Plastikschwemme. Dass die Länder im Norden Afrikas, allen voran Algerien, ein enormes Entsorgungsproblem hätten, sei seit langem bekannt. Weite Teile der Küste sind mit Abfällen übersät, die früher oder später von der Brandung davongetragen werden, bestätigen auch algerische Umweltaktivisten. Die Elite des Landes verbrächte den Sommer nicht umsonst in Tunesien, wo die Strände sauberer seien. Dass derzeit besonders viel Müll die mehr als 250 Kilometer zwischen der algerischen Küste und den Balearen zurücklegt, liegt Muñoz zufolge am anhaltenden Südwind.
Das meiste Plastik ist winzig klein

Neu sei dieses Phänomen aber nicht, sagt Josep Maria Aguiló vom balearischen Amt für Wasser und Umwelt (Abaqua), der den Einsatz der sogenannten Müllboote rund um die Balearen-Inseln koordiniert. “Diese Milchtüten haben wir schon 2004 gefunden, als das Umwelt-Ministerium den Service der Küstenreinigung eingeführt hat”, sagt Aguiló.

Dass in den Schlagzeilen nun von einer nie dagewesenen Verschmutzung die Rede ist, macht ihn wütend. Das sei vollkommen übertrieben – und schlecht für Mallorcas Image als Urlaubsinsel. Allerdings sei es durchaus erklärbar, dass dieses Jahr besonders viel Müll an die Strände gelange: Man habe seit Wochen thermischen Wind, der vom Meer landwärts wehe. Drei, vier Tage Nordwind – und das Treibgut sei wieder weit draußen im Meer, wo es eben niemand sehe. In Aguilós Augen ist die aktuelle Situation deshalb sogar positiv.

“Unsere Boote sammeln viel mehr Unrat auf als im Vorjahr”. Zumal die insgesamt 33 Müllschiffe – 15 vor Mallorca, je 8 vor Menorca und Ibiza und 2 vor Formentera – aufgrund der optimalen Wetterbedingungen derzeit jeden Tag rausfahren könnten. Außerdem seien sie in diesem Jahr sogar einen Monat länger als üblich unterwegs, nämlich von Anfang Mai bis Ende September, was sich die Balearenregierung immerhin 1,1 Millionen

Dennoch ist das Ausmaß der Müll-Schwemme damit kaum in den Griff zu bekommen, wie die Wissenschaftlerin Marina Sanz-Martín befürchtet. Sie ist Biologin am auf Mallorca ansässigen Meeresforschungsinstitut Imedea und hat an der ersten groß angelegten Studie mitgearbeitet, die die Plastikverschmutzung des Mittelmeers unter die Lupe nahm. Vor zwei Jahren wurden hierfür an 28 Stellen mit kleinmaschigen Netzen Wasserproben entnommen.

Die Ergebnisse für die Balearen sind besorgniserregend: Südlich von Formentera ist der Grad der Verschmutzung mit bis zu 2500 Gramm Plastik pro Quadratkilometer besonders hoch. Allerdings dürfe man sich darunter keinen “Plastikteppich aus algerischen Milchtüten und Cola-Dosen vorstellen”, sagt die Wissenschaftlerin. Auf der Suche nach Erklärungen für die derzeitige Plastikschwemme hatte der vermeintliche Müllteppich in Medien Mallorcas immer wieder als Sündenbock herhalten müssen.

“Das ist vollkommen absurd”, sagt Sanz-Martín. Bei dem entdeckten Plastik handele es sich um winzige Partikel, zu 83 Prozent kleiner als fünf Millimeter. Gerade sie aber sind es, die dem Ökosystem den größten Schaden zufügen. Zum einen verenden Meerestiere daran, zum anderen landet das Plastik über die Nahrungskette längst auch auf unseren Tellern. Die Vorstellung von an der Meeresoberfläche treibenden Müllbergen ist Sanz-Martín zufolge also nicht richtig, auch nicht für die fünf nachgewiesenen riesigen Plastikstrudel im Pazifik, im Atlantik und im Indischen Ozean: Diese bestünden ebenfalls aus Mikroplastik. (Quelle: NTV; Autorin: Stephanie Schuster; Klicken Sie hier auf den vollständigen Beitrag)

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