Plastikmüll gefärdet die Meere


Plastikmüll ist eine große Bedrohung für die Artenvielfalt der Ozeane. Durch achtlos weggeworfene Flaschen, Verpackungen oder anderer Kunststoffteile verendet jedes Jahr eine riesige Zahl an Seevögeln, Fischen und Säugetieren, Tendenz steigend. Manche Meeresbewohner verwechseln den Müll mit ihrer natürlichen Nahrung, andere verfangen sich darin und sterben. Da sich das Plastik nur langsam zersetzt und dabei noch Giftstoffe freisetzt, ist die Vermüllung der Meere mittlerweile zu einem globalen Problem geworden.

Die weltweite Abhängigkeit vom Plastik zeigt nun langsam ihre Schattenseiten auf. Bis zu 280 Millionen Tonnen des Kunststoffes werden in jedem Jahr hergestellt. Über 6,4 Millionen Tonnen landen davon in den Ozeanen, durch die internationale Schifffahrt, die Fischerei oder einfach vom Land aus durch illegale Entsorgung und Tourismus. Ein riesiges Problem für die im Meer lebenden Tierarten, die unter dem Müll zu leiden haben. Über eine Million Seevögel sterben jährlich durch den Müll, weil sie ihn mit Nahrung verwechseln, dazu kommen über 100.000 Meeressäugetiere, die sich in verwaisten Netzen oder Plastikverpackungen verfangen. 

Die Abfälle zersetzen sich nur langsam und verfügen im Wasser über eine große Haltbarkeit von bis zu 450 Jahren. Dabei setzen sie zusätzlich noch Giftstoffe frei, die wiederum die Artenvielfalt bedrohen. Hinzu kommt eine weitere Eigenschaft des Plastiks: Es wirkt als eine Art Magnet für Giftstoffe wie DDT oder PCB, die sich ohnehin bereits im Wasser befinden. Diese an sich schon giftigen Stoffe sammeln sich an den Plastikpartikeln und erreichen dabei eine millionenfache Konzentration, die für die Meereslebewesen tödlich wirkt. Über den Nahrungskreislauf können diese Stoffe auch in den menschlichen Körper gelangen.

Das Müllproblem wird global. Nach Schätzungen des UN-Umweltprogramms UNEP treiben in jedem Quadratkilometer Ozean inzwischen bis zu 18.000 Plastikteile. Zwischen Hawaii und dem amerikanischen Festland hat sich mittlerweile ein Müllteppich gebildet, der an seiner Oberfläche etwa die Größe Zentraleuropas erreicht hat. Dieser “Great Pacific Garbage Patch” ist nur die Spitze des Müllbergs: Nur etwa 15% der Plastikabfälle treiben an der Wasseroberfläche, der Rest, sofern er nicht irgendwann an Land gespült wird, sinkt auf den Meeresboden. Auch Nord- und Ostsee sind davon betroffen. Hier landen jährlich etwa 200.000 Tonnen Müll, 75% davon Plastik- und Styroporabfälle, im Wasser.

Bisher konnte der Müllstrom, trotz diverser Versuche seit den 1970er Jahren, noch nicht gestoppt werden. Immer noch aktuell ist die 2008 beschlossene EG-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie, die alle EU-Staaten verpflichtet, Maßnahmen gegen das Müllproblem zu ergreifen und bis spätestens 2020 dafür zu sorgen, dass die Abfallkonzentration auf ein weitestgehend harmloses Niveau sinkt. In einigen pazifischen Ländern ist es mittlerweile sogar verboten, gewisse Verpackungen, etwa Tüten, aus Plastik mit sich zu führen. Doch selbst wenn von heute auf morgen kein Müll mehr in den Meeren landet, was eine utopische Vorstellung wäre, bräuchte die existierende Konzentration noch viele hundert Jahre, bis sie sich vollständig aufgelöst hat. Es ist somit fraglich, inwiefern die Maßnahmen zur Bekämpfung des Müllproblems überhaupt greifen werden.

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