Umweltschutzorganisation Plasticontrol verleiht Plastikdinosaurier an Umweltminister Altmeier


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Umweltschutzorganisation Plasticontrol verleiht Plastikdinosaurier an Umweltminister Altmeier

Den Meeren helfen letztendlich nur ein internationales Verbot

EU-Umweltkommissar Janez Potočnik will dünnen Plastiktüten, die 90 Prozent aller Plastiktüten ausmachen sollen, nun den Kampf ansagen. Der Europäer verbraucht im Schnitt jährlich 198 Plastiktüten. In Deutschland sind es 71 Stück, in einigen Ländern Europas wie Portugal sind es über 500, in Ländern wie Finnland mit 4 sehr viel weniger. Ein aktueller Gesetzesentwurf legt den Mitgliedsstaaten nahe, Maßnahmen zu ergreifen, um binnen zwei Jahren eine Reduktion des Verbrauchs von dünnen Plastiktüten zu erreichen. Dazu wird ein entsprechender Artikel gestrichen, der bisher den Mitgliedsstaaten ein Verbot von Plastiktüten untersagt. Wege und Ablauf einer neuen regelung werden den einzelnen Mitgliedsstaaten überlassen. Damit wird allerdings ein einheitliches und effektives Vorgehen ausgeschlossen. Der Grenzwert wird bei 50 Mikrometer Dicke angesetzt. Was darunter ist, wird als zu dünn angesehen. Der Vorstoß basiert auf der Annahme, dass insbesondere leichte Tüten von Deponien in das Meer geweht werden. Ein generelles Verbot scheint mittlerweile nicht mehr angestrebt zu werden. Etwas sonderbar die Annahme, das kein schweres Plastik in die Meere gelangen kann. Ohne Verbote wird es keinen effektiven Schutz der Meere geben. Denn in 20 Ländern der EU wird Kunststoffabfall ohne Recycling ausschließlich auf Deponien entsorgt. Insbesondere bei den Meeresanrainern ist dies ein Problem. Auch ein Ausbau des Recyclings und der Verbrennung von Plastiktüten wird keine Übergreifende Lösung darstellen. Und ob die geplante Überarbeitung der EU zum Thema der Abfallentsorgungsregelung ebenfalls „weichgespült“ wird, bleibt abzuwarten. Dennoch begrüßt die Umweltschutzorganisation Plasticontrol das Engagement von EU-Umweltkommissar Janez Potočnik zum Verbot dünner Plastiktüten und der Schaffung gesetzlicher Rahmenbedingungen für weitere Verbote.

Denn einzig ein Verbot von Plastiktüten würde allerdings ein wirkliches Instrument gegen eines der zentralen Umweltprobleme unser Zeit darstellen. Denn in den Meeren finden sich durchaus auch Plastiktüten aus Ländern, die potentiell Recycling durchführen oder Steuern auf Plastiktüten erheben. Eine Schlüsselposition kommt hier Deutschland zu. Deutschland ist einer der größten Produzenten von Plastiktüten weltweit – mit entsprechender Lobby. Zu dieser gehört auch Umweltminister Peter Altmeier (CDU). Dieser blockiert das Ziel eines Verbotes von Plastiktüten. Er spricht sich sogar gegen Abgaben oder Steuern auf Plastiktüten aus. Nur einem Ausbau des Recyclings stimmt er zu. Der Umweltminister bleibt somit hinter den Forderungen der EU zurück. Aufgrund dieser nachhaltig zum Ausdruck gebrachten Position, verleiht Plasticontrol Umweltminister Altmeier seinen jährlich verliehenen Preis, den “Plastikdinosaurier”. Dieser wird Politikern und Unternehmen verliehen, die einer Lösungsfindung zu Problemen, die aus der Anwendung von Plastik resultieren, entgegenstehen.

Dabei wächst weltweit die Erkenntnis: Die Vermüllung der Meere, Seen und Fließgewässer mit Plastikmüll stellt eine der größten Umweltproblematik dar. Vergleichbar mit den Herausforderungen der Klimaerwärmung.
Plastiktüten sind dabei einer der größeren Faktoren für die Verschmutzung der Gewässer durch Plastikmüll. Im Wasser benötigen Plastiktüten bis zu 400 Jahre zum kompletten Abbau. Tiere verenden durch das Plastik im meer. Entweder durch Strangulation oder sie verwechseln das Plastik mit Nahrung – zum Beispiel Schildkröten Plastiktüten mit deren Nahrungsquelle Quallen. Weiterhin zersetzten die Plastiktüten sich zu immer kleineren Partikeln – dem Mikroplastik. Auch das Mikroplastik wird von Tieren mit Nahrung verwechselt und gelangt am Ende der Nahrungskette auf unseren Teller. Inklusive der im Mikroplastik enthaltenen Chemikalien. Denn Mikroplastik im Meer absorbiert Umweltgifte und auch die ihnen bei der Produktion zugeführten chemischen Additive wie etwa Weichmacher verstärken eine Umweltunverträglichkeit und stellen eine gesundheitliche Gefährdung dar.

Plastiktüten werden in erster Linie von Land in die Gewässer eingebracht, aber sie belasten als Müll auch die Landfläche. Daher haben einige Länder und Städte haben bereits ein Plastikverbot umgesetzt. So das afrikanische Land Mauretanien oder die Megacity Los Angeles. Einige Länder wie China bestimmen per Gesetz eine Kostenpflichtigkeit der Plastiktüten. Aber auch eine Umweltsteuer pro Plastiktüte wird zum Beispiel in Irland eingesetzt, um die Anzahl der Plastiktüten zu minimieren. In den Niederlanden wird dagegen auf Wiederverwendung gesetzt. So können Plastiktüten in sogenannte Plastikkugeln in der Nähe der Kasse von Supermärkten abgegeben werden und gleichzeitig hier bei Bedarf welche entnommen werden. Auf dem Hintergrund dieser weltweiten Erfolge im Kampf gegen kostenfreie Einweg-Plastiktüten äußert der Vorstand von Plasticontrol, Oliver Steiner sein Unverständnis mit der deutschen Position: “In internationalen Gremien wird oft nur der Kopf geschüttelt, warum Deutschland ein derartiges Desinteresse an internationalen Lösungen zeigt. Die Einführung von umfassenden Recyclingprozessen, die im Industrieland Deutschland einigermaßen das Problem mit Plastiktüten eindämmen, sind in vielen Ländern kaum zu realisieren. Unter anderem sind die Kosten erheblich. Somit Verschmutzen in Deutschland produzierte Plastiktüten international die Gewässer. Weil Herr Altmeier den Empfehlungen der hiesigen Lobby folgt.”

Einen besonderen Weg zur Minimierung von erdölbasierten Plastiktüten im Meer, geht Italien. Noch Anfang des Jahrtausends verbrauchten die Italiener rund 25 Milliarden Plastiktüten pro Jahr. Dann wurde 2011 eine Gesetz erlassen, das klassische Plastiktüten verbietet. Erlaubt sind jetzt nur noch biobasierte Tüten. Diese sind allerdings nur selten Plastiktüten, die ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen basieren, sondern sogenannte biobasierte Plastiktüten. Zwar enthält dieses Plastik auch nachwachsenden Rohstoffen wie Stärke, Milchsäure und Zellulose. Doch ebenso Stoffe, die auch das klassische Plastik ausmacht. Da es jedoch keine adäquate Sortiertechnik gibt, sind biobasierte Kunststoffe von anderen Plastikprodukten nicht zu unterscheiden. Deshalb wird Plastik aus Biotonnen zumeist aussortiert und der Müllverbrennung zugeführt. Die vermeintlichen Plastiktüten sind aufgrund der nicht pflanzlichen Stoffe nicht kompostierbar, und Recycling ist anderseits ebenfalls nicht möglich. Da die Herstellung von Bio-Plastik sehr energieintensiv und mit hohen Treibhausgas-Emissionen verbunden sind, last sich im Vergleich zu konventionellen Kunststoffen auch  keine bessere Ökobilanz für Bio-Plastiktüten nachweisen. Der Anbau von Pflanzen für Bio-Plastik steht außerdem in Konkurrenz zum Anbau von Nahrungsmitteln. Hinzu kommen Düngemittel, die die Gewässer belasten. Auch diese Fakten zeigen dass einzig ein Verbot von Plastiktüten eine umfassende Lösung darstellt. Allerdings stellt die verbesserte Fähigkeit zum Abbau des biobasierten Plastik in den Gewässern einen deutlich positiven Faktor dar. Doch für Umweltminister Altmeier wird selbst eine Umstellung auf biobasierte Plastiktüten bereits eine unerfüllbare Forderung darstellen, wie es bereits Lobbyverbände kommuniziert haben.

Nur ein Verbot von Einweg-Plastiktüten durch die Politik macht Sinn. Wieder verwendbare Taschen und Papiertüten müssen diese ersetzen. Eine Lösung des Problems der Plastiktüten stellt allerdings nur einen Bestandteil im Lösungsansatz zu Plastikmüll im Meer dar. Denn die zumehmende Zahl an Plastikverpackungen für Lebensmittel und andere Konsumgüter stellt ein vielleicht noch größeres Problem dar. In den Industriestaaten, in Schwellen- und Entwicklungsländern wächst die Zahl der Plastikverpackungen. Um so wichtiger sind auch hier sowohl Verbote, als auch die Einführung von Bioplastik- und Recyclinglösungen.

Auch Mikroplastikkugeln in Körperpflegeprodukten stellen eine Bedrohung der Meere, Seen und Flüsse dar. Diese Plastikkugeln sind beispielsweise in einigen Peelings enthalten und gelangen über das Abwasser in die Umwelt. Klärwerke können die mikroskopisch kleinen Kugeln nicht aus dem Abwasser filtern. Hier hilft nur ein rigoroser Verzicht, auf diese eigentlich unnötigen Produkte durch die fabrizierende Industrie.

Es bleibt viel zu tun für Umweltminister Peter Altmeier (CDU) und die Europäische Union. Wir hoffen, der Plastikdinosaurier motiviert ihn.

V.I.S.D.P
Plasticontrol e.V
Oliver Steiner
Mendelssohnstrasse 12
30173 Hannover
Mail: steiner@plasticontrol.de
Phone: 0162-9872097

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