Zunehmende Verbrennung von Kunststoff


So viele Verpackungen wie möglich sollen recycelt werden – doch das wird immer schwieriger. Weil die Kunststoff-Sortierer Geld sparen wollen und Plastikmüll falsch lagern, landet zu vieles davon in der Müllverbrennung.

Verpackungen aus dem Gelben Sack sollen recycelt werden – etwa zu Plastiktüten, Autoteilen oder Parkbänken. Doch Recycling-Unternehmen klagen, dass immer weniger Grüne-Punkt-Verpackungen wiederverwertet werden können. Die Wiederverwertung eines Teils der Kunststoffe droht unter die Räder zu kommen. Denn die Qualität der Plastik-Abfälle sinke ständig.

„Für uns ist es eine Katastrophe: Die Ausbeute an gut verwertbarem Material wird immer schlechter“, sagte der Vertreter des Recycler-Verbands BVSE, Michael Scriba, dieser Zeitung. Das Qualitätsbewusstsein der Kunststoff-Sortierer nehme beständig ab – in jüngerer Zeit beschleunigt. Ein immer größerer Teil des Plastikmaterials sei nicht mehr verwertbar und tauge nur noch für die Verbrennung, so Scriba. Er ist im Hauptberuf Geschäftsführer des Thüringer Unternehmens MTM-Plastics, das Recycling-Mischkunststoffe herstellt.

Recycling

Die Verpackungsverordnung schreibt vor, dass von allen Verpackungsabfällen im Schnitt mindestens 65 Prozent wiederverwertet werden. Für Kunststoffverpackungen gilt: Mindestens 36 Prozent sind „werkstofflich“ zu verwerten. Das heißt: Sie werden eingeschmolzen und zu neuen Plastikprodukten verarbeitet. Weitere 24 Prozent dürfen auch anderweitig, etwa als „Ersatzbrennstoff“ statt Öl oder Erdgas, genutzt werden. Der Rest – bis zu 40 Prozent – darf in Müllverbrennungsanlagen landen.
Der Bund plant ein neues „Wertstoffgesetz“, welches das Recycling von Haushaltsabfällen insgesamt verbessern soll.

Der Grüne-Punkt-Müll und andere Kunststoffe aus Haushalten und Gewerbebetrieben werden nach dem Einsammeln zuerst zu Sortieranlagen gebracht. Hier trennen die Sortier-Unternehmen die verschiedenen Kunststoffe sowie andere Wertstoffe wie Metalle und Verbundmaterial. Rund die Hälfte der Kunststoffe wird sortenrein recycelt, das heißt zum Beispiel: Aus einem Polypropylen-Joghurtbecher wird Polypropylen-Granulat. Probleme gibt es laut BVSE bei der anderen Hälfte – das sind Mischkunststoffe aus verschiedenen Plastiksorten.

Die Sortier-Firmen verkaufen den Plastik-Rohstoff an Unternehmen, die die Kunststoffe recyceln. Ein Teil geht in „Ersatzbrennstoff-Anlagen“, die daraus Strom und Wärme produzieren. Nicht verwertbares Rest-Material wandert in Müllverbrennungs-Anlagen.

Der BVSE kritisiert nun, dass die Sortierer die Altkunststoffe nicht sachgerecht lagerten – nämlich fast immer unter freiem Himmel. Das geschehe offensichtlich, um Kosten zu sparen. „Das Material wird durch Regen oder Schnee klatschnass“, beklagte Scriba. Nach Messungen der Kunststoff-Recycler liegt der Wasseranteil im Schnitt bei zehn bis 15 Prozent. Sogar 40 Prozent seien schon gemessen worden.

Die Feuchtigkeit erschwert die Sortierung, weil zum Beispiel im Grüne-Punkt-Gemisch enthaltenes Papier das Plastikmaterial verklebt. Zudem müssen die Verwerter das Wasser vor dem Einschmelzen des Recyclingkunststoffs mit hohem Energieaufwand teuer entfernen. Die Qualitätsvorgaben für das Altplastik würden oft nicht eingehalten, kritisiert der BVSE, dessen Mitglieds-Unternehmen unter anderem pro Jahr rund 300.000 Tonnen Mischkunststoffe verarbeiten: „Heute sind nachweislich 80 Prozent der Mischkunststoffe schlechter als verlangt und bezahlt – ein Trend der seit Jahren anhält.“

Die Verpackungsverordnung schreibt vor, dass mindestens 36 Prozent der Plastik-Verpackungen „werkstofflich“ verwertet werden müssen. Doch diese Quote werde derzeit nur deshalb erreicht, weil der hohe Wasseranteil in dem Kunststoffgemisch mitgewogen werde, behaupten die Recycler. Die Unternehmen fordern daher eine Vorschrift, wonach die Mengen- und Quotenberechnungen nur noch auf Basis der Trockengewichte durchgeführt werden

Ein Grund für die schlechte Qualität des Plastik-Rohstoffs seien die Überkapazitäten bei den Müllverbrennungsanlagen, die einen „ruinösen Wettbewerb um die Altkunststoffe“ ausgelöst hätten.

Ruinöser Wettbewerb

Der Verband meint damit Folgendes: Es ist technisch durchaus möglich, die Plastik-Verpackungen hocheffizient zu sortieren und gut zu lagern. So entstehen hochwertige Sekundär-Rohstoffe. Die Sortierung kostet aber natürlich auch Geld. Für die Sortierer ist es oft billiger, einen Teil des Plastikmaterials in Müllverbrennungsanlagen loszuwerden. Betreiber dieser Anlagen verlangen für die Entsorgung von Mischkunststoffen nur noch wenig Geld, um ihre Öfen auszulasten. Eine Tonne kostet nach Branchenangaben teils nur noch 60 Euro.

Die Unternehmen, die den Plastikmüll sammeln und sortieren, wehren sich gegen die Kritik. „Die Behauptung, dass die Qualität der Mischkunststoffe gesunken sei, können wir pauschal nicht bestätigen“, heißt es zum Beispiel bei der Berliner Alba-Group, dem zweitgrößten deutschen Entsorger. Sie hänge jeweils davon ab, „wie diese zwischen den Betreibern der Dualen Systeme und den Kunststoff-Aufbereitern festgelegt wurde“. Alba räumt ein, dass bei der Zwischenlagerung „sicherlich auch einmal Wasser zwischen die Kunststoffe gelangen kann“. Ein Anteil von zehn bis 15 Prozent pro Ladung sei jedoch nicht nachvollziehbar. Der BVSE verweist jedoch auf Messungen seiner Unternehmen, die genau das ergeben hätten.

Auch das Umweltbundesamt (UBA) ist überzeugt, dass ein besseres Recycling möglich ist. Die heute verfügbaren technischen Möglichkeiten der Sortierung würden vielfach nicht ausgenutzt, sagt Experte Gerhard Kotschik. „Die Sortierung des Grüne-Punkt Materials könnte durch flächendeckende Einführung moderner Sortieranlagen deutlich verbessert werden, um mehr Plastik hochwertig zu recyceln..“ Das geschehe aber aus Kostengründen nicht. Laut UBA könnte durch die Optimierung der Sortierung und Verwertung die Kohlendioxid-Entlastung in dem Bereich um 30 Prozent gesteigert werden.

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